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Tierfabeln


Tierfabeln für Kinder - Tier Fabel

Spannende Tierfabeln für Kinder zum Erzählen oder Vorlesen


Die Tierfabel gehört eigentlich dem Geiste... - J.W. von Goethe
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Tierfabel aus dem 17. Jahrhundert

Der Fuchs und die Truthühner


Es wählte eine Truthahnherde,
Die ein begieriger Fuchs begehrte,
Zur Nachtrast eines Baumes Äste.
Umsonst beschlich der Fuchs die Feste;
Und liess er sich's auch viele Gänge kosten,
Fand er doch wachsam stets das Federvolk auf Posten.
Er zürnte: "Wie? Man lacht mich aus! Man spottet mein!
Sollten wahrhaftig einzig diese mir entgehen?
Ich sage: nein! Bei allen Göttern, nein!"
Und wie er's schwur, so ist's geschehen.
Wenngleich das helle Mondenlicht
Auch günstig schien der Hühnerschar
Und klar ihr zeigte die Gefahr -
Der kundige Fuchs verzagte nicht,
Er hatte seinen Sack voll List und Lug.
Er tat zunächst, als wolle er den Baum ersteigen,
Indem er seine Pfote um die Rinde schlug;
Dann sank er hin, um sich als toten Mann zu zeigen,
Und wieder auferstanden trieb er neuen Trug:
Verwandelte sich wie ein Harlekin
In immer andere Gestalten,
Hob seinen Schwanz und schwenkte ihn,
Hat unentwegt die indischen Hühner wach gehalten.
Von diesen, die den Feind nicht aus den Augen liessen,
Wagte natürlich keins, zum Schlaf das Lid zu schliessen.
Scharf spähten sie und wurden endlich müd und matt,
Und manches taumelte erschöpft vom Baum
Und fand alsbald die letzte Ruhestatt,
Die ersten in des roten Mörders Magen,
Die nächsten trug er schnell in seinen Vorratsraum
Nach Malepartus ein.


Was meine Fabel euch erzählt?
- Wer nichts als immer die Gefahr im Auge hält,
Fällt schliesslich ganz gewiss hinein.


- Jean de La Fontaine 1621-1695 -




Tierfabel aus dem 17. Jahrhundert

Die Schildkröte und die beiden Enten


Der Leichtsinn trat an eine Schildkröte heran:
Des Uferloches müd will sie die Welt besehen.
Man schaut sich gern ein neues Stückchen Erde an,
Wer hinkt, pflegt gern aus dem verhassten Haus zu gehen,
Sie, teilt zwei Enten mit, was sie ersann.
Die stimmten bei und bieten sich ihr als Gespann
Für eine Luftfahrt an bis nach Amerika.
Sie sagten: "Vieles siehst du da,
Gar manche Republik und manches Königreich,
Völker und Sitten andrer Art als hier am Teich.
Da lernt man! Auch Ulysses hat es so gemacht."
Ulysses - welch verwegener Vergleich!
Wer hätte hier an den gedacht! -
Bald war man einig, wie die Fahrt zu machen sei.
Im Vorbeireiten waren sie nicht faul:
Die Enten brachten einen Stock herbei,
Den schoben sie der Schildkröt quer durchs Maul.
"Jetzt gilt es," sagten sie, "recht fest zu fassen,
Und hüte dich, ihn loszulassen!"
Das Vogelpaar ergriff den Stock an beiden Enden
Und flog mit seiner Bürde auf.
Da gab es überall ein Augenwenden,
Verwundert sah man in die Luft hinauf.
"Kommt," rief man, "kommt und seht! Die Königin
Der Schildkröten zieht durch die Wolken hin."
"Ja, in der Tat: die Königin,"
Erklangs von droben; "keiner soll zu spotten wagen!"
Sie hätte besser dran getan,
Kein Wort darob zu sagen
Und schweigend fortzuziehn auf ihrer hohen Bahn.
Dass sprechend sie das Maul geöffnet, muss sie büssen:
Sie sank vom Stecken, der ihr Stütze bot,
Und lag zerschellt den Schauenden zu Füssen.
Schwatzhaftigkeit war schuld an ihrem Tod.


Neugier, Dummheit, Albernheit,
Prahlsucht und Geschwätzigkeit
Sind einander eng verwandt,
Sind fünf Finger einer Hand
.


- Jean de La Fontaine 1621-1695 -




Kurze Tierfabel von Pfeffel

Das Kätzchen


Ein unerfahrnes Kätzchen sah
Zum erstenmal den Mond in vollem Lichte prangen,
Und sprach entzückt zum GrossPapa:
Sieh an der Decke dort den schönen Käse hangen.
O, hätten wir ihn doch. Ei lerne, blöder Fant,
Versetzt der GrossPapa, fürs erste Mäuse fangen,
Die sind uns näher bei der Hand.

- Gottlieb Konrad Pfeffel 1736-1809 -

Quelle: Gottlieb Konrad Pfeffel: Biographie eines Pudels,
Langewiesche-Brandt Verlag 1987.



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